Startseite › Ratgeber
Krypto vererben, ohne den Seed ins Testament zu schreiben
Kryptowerte lassen sich vererben wie anderes Vermögen. Damit Erben sie aber auch erreichen, müssen sie zwei Dinge haben: das Wissen, dass es sie gibt und wo sie liegen, und den technischen Zugang. Dieser Ratgeber zeigt, warum man beides trennen sollte und wie das praktisch geht.
Kein Rechts- oder Steuerrat. Dieser Text erklärt allgemeine Zusammenhänge und ersetzt keine Beratung. Wer regeln will, wer was erbt, braucht ein wirksames Testament oder einen Erbvertrag. Dabei helfen Notarinnen und Notare und Fachanwälte für Erbrecht, bei Steuerfragen Steuerberater.
Warum Kryptowerte im Erbfall verloren gehen können
Bei einem Bankkonto legen Erben einen Erbschein oder ein eröffnetes notarielles Testament vor, und die Bank gibt das Konto frei. Bei Kryptowerten in einer eigenen Wallet gibt es niemanden, der etwas freigeben könnte. Wer die Seed-Wörter (die Wiederherstellungsphrase) oder den Schlüssel hat, hat den Zugriff. Wer sie nicht hat, kommt nicht an die Werte, auch nicht mit Erbschein.
Typische Gründe für einen Verlust sind:
- Niemand in der Familie weiß, dass es Kryptowerte gibt.
- Man weiß davon, findet aber das Gerät oder die Sicherung nicht.
- Man findet die Sicherung, aber es fehlt eine zusätzliche Passphrase oder eine PIN.
- Die Erben wissen nicht, was ein Seed ist, und geben ihn in einer gefälschten „Wiederherstellungs-App" oder gegenüber einem angeblichen Helfer ein.
Warum der Seed nicht ins Testament gehört
Das Testament wirkt wie der naheliegende Ort, ist aber ein schlechter:
- Viele Menschen lesen mit. Nach dem Tod eröffnet das Nachlassgericht das Testament, und die Beteiligten erhalten davon Kenntnis, oft als Abschrift. Ein Seed darin ist dann nicht mehr geheim.
- Es wird selten aktualisiert. Wallets wechseln, Testamente bleiben oft jahrelang unverändert.
- Zu Lebzeiten ist es ein Risiko. Wer das Dokument findet oder eine Kopie hat, kann die Werte schon heute bewegen.
Das Testament regelt, wer erbt. Für das Wie ist ein eigenes Dokument besser geeignet.
Der Grundsatz: Wissen und Zugang trennen
Eine gute Vorsorge besteht aus zwei getrennten Teilen:
| Teil | Inhalt | Wo aufbewahren |
|---|---|---|
| Wissen (Vorsorgemappe) | Welche Wallets und Börsenkonten es gibt, welches Gerät wofür ist, wo die Sicherungen liegen, wen man fragen kann, in welcher Reihenfolge man vorgeht | Dort, wo Angehörige sie sicher finden, etwa beim Testament oder bei den Vorsorgeunterlagen |
| Zugang | Seed-Wörter, Passphrase, PINs, Passwörter | Getrennt davon an einem sicheren Ort, den die Mappe nur benennt (z. B. „Tresor im Arbeitszimmer", „Bankschließfach") |
Wer nur die Mappe findet, kann nichts bewegen. Wer nur die Sicherung findet, weiß nicht, wofür sie ist. Erst beides zusammen führt zum Ziel, und das sollen im Ernstfall Ihre Erben sein.
Was in die Vorsorgemappe gehört
- Eine Übersicht aller Wallets: Art (Hardware, App, Papier), Bezeichnung, ungefähr welche Werte
- Alle Börsen- und Handelskonten mit Anbietername und der Mail-Adresse, mit der das Konto angelegt wurde
- Wo die Geräte liegen und wo die Sicherungen liegen (getrennt aufgeführt)
- Ob es eine zusätzliche Passphrase gibt und wo der Hinweis darauf zu finden ist
- Ein bis zwei Vertrauenspersonen, die sich mit Kryptowerten auskennen, und wofür sie gefragt werden dürfen (z. B. technische Hilfe, nicht Verwahrung)
- Wo Steuerunterlagen und Kaufbelege liegen
- Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Angehörige, in einfacher Sprache
- Ein Warnhinweis: Niemand Seriöses fragt nach Seed-Wörtern, auch kein Support und keine Behörde
- Datum der letzten Aktualisierung
Eine kostenlose Fassung dieser Fragen finden Sie in unserer Checkliste zum Ausdrucken.
Wo der Zugang sicher liegen kann
Für die Aufbewahrung der Sicherung gibt es keine Lösung, die für alle passt. Häufig genutzte Möglichkeiten sind ein Tresor zu Hause, ein Bankschließfach oder eine Hinterlegung bei einer Vertrauensperson. Jede hat Vor- und Nachteile: Ein Schließfach ist geschützt, aber für Erben erst nach Vorlage der Erbnachweise zugänglich; ein Tresor zu Hause ist schnell erreichbar, aber bei Einbruch oder Brand gefährdet. Manche teilen die Sicherung technisch auf mehrere Orte auf (etwa mit Mehrfachsignatur-Wallets). Das erhöht die Sicherheit, macht es Erben aber auch schwerer. Die Anleitung in der Mappe muss dann umso genauer sein.
Wir empfehlen keine bestimmten Wallets, Geräte oder Anbieter, und wir verwahren selbst nichts.
Börsenkonten: anders als die eigene Wallet
Liegen Kryptowerte bei einer Börse oder einem Broker, verwaltet der Anbieter den Zugang. Erben wenden sich dort in der Regel mit Sterbeurkunde und Erbnachweis an den Kundenservice. Wichtig ist hier vor allem, dass die Erben überhaupt wissen, bei welchem Anbieter ein Konto besteht und unter welcher Mail-Adresse. Genau das gehört in die Mappe; Passwörter gehören nicht hinein.
Die Anleitung für den Ernstfall
Angehörige sind im Trauerfall selten Fachleute für Kryptowerte. Eine kurze Anleitung hilft mehr als jede Liste:
- Nichts überstürzen. Kryptowerte laufen nicht weg, solange niemand Fremdes Zugriff hat.
- Niemandem Seed-Wörter, PINs oder Passwörter nennen, auch keinem „Support", der sich meldet.
- Zuerst die in der Mappe genannte Vertrauensperson oder eine Fachperson hinzuziehen.
- Bei Börsenkonten den Kundenservice des genannten Anbieters kontaktieren.
- Bei eigenen Wallets: Sicherung am genannten Ort holen und gemeinsam mit der Vertrauensperson vorgehen.
- Für Erbschein, Verteilung und Steuern: Notar, Fachanwalt oder Steuerberater fragen.
Regelmäßig aktualisieren
Eine Vorsorgemappe hilft nur, wenn sie stimmt. Ein fester Termin, etwa einmal im Jahr oder nach jeder größeren Änderung, reicht in den meisten Fällen.
Wer eine Hardware-Wallet nutzt, findet die Besonderheiten (PIN, Passphrase, Mehrfachsignatur) im Ratgeber Notfallmappe für Hardware-Wallets: was Erben wissen müssen.
Die Krypto-Vorsorgemappe
Wir entwickeln gerade ein Werkzeug, das Sie mit Fragen durch genau diese Punkte führt und am Ende eine druckbare Mappe für Ihre Angehörigen erzeugt. Es läuft offline in Ihrem Browser und weist Seed-Wörter, private Schlüssel und typische Passwortmuster ab, damit der Zugang gar nicht erst in die Mappe gerät. Geplanter Preis: 29 € inkl. 19 % MwSt. Heute kann noch nichts gekauft werden. Wenn Sie zum Verkaufsstart informiert werden möchten, tragen Sie sich in die Warteliste ein.
Stand: Oktober 2026. Erstellt von einem KI-System im Auftrag von WestLabs AI.